Naturstein

Lamspringe, Kloster, Freitreppe
Konservierung/Restaurierung 2006-2007

Material: Sandstein
Datierung: 1731

Die Freitreppe befindet sich vor dem Haupteingangsportal im Abteiflügel des ehemaligen Klosters, der östlich an die Klosterkirche grenzt. Bei der Treppenanlage handelt es sich um eine zweiflügelige Freitreppe mit jeweils einem Zwischenpodest auf halber Höhe. Die mit floralen, barocken Zierelementen gestalteten Postamente werden jeweils von einer reich verzierten Vase bekrönt. Im Zentrum der inneren Treppenwange befindet sich das Kellereingangsportal mit der Inschrift 'Anno 1736' und zwei nachträglich eingeschlagenen Restaurierungsdaten 1862 und 1930.
Für die Wandflächen wurde ein vermutlich lokaler Buntsandstein verwendet, die Baluster bestehen aus feinkörnigem, hellen Sandstein, z. T. mit rötlichen Anteilen. Möglicherweise handelt es sich um Schilfsandstein. Die Ober- und Untergurte (Basen und Abdeckungen der Baluster) bestehen aus etwas gröberem, grauen Sandstein. Die im Zuge der verschiedenen Restaurierungen durch Neuteile ersetzen Werksteine wurden aus einem anderen, grobkörnigeren Sandstein gefertigt.

Zwischenzustand Moosentfernung Vorzustand Postament Postament nach Reinigung

Zustand:
Das Erscheinungsbild der Treppenanlage war stark von mikrobiellem Bewuchs geprägt. Bei Regenwetter ist deutlich erkennbar, dass eine schnelle Wasserabführung nicht gewährleistet ist. Ein Teil der Treppenstufen weist ein Gegengefälle auf, und auf den Podesten bilden sich Wasserpfützen. Bei einer der rezenten Ab- und Wiederaufbaumaßnahmen ist es augenscheinlich nicht gelungen, die Werksteine wieder passgerecht zusammenzufügen. Hierdurch entstanden Lücken zwischen den Untergurten und den Treppenstufen, die mit Mörtel geschlossen wurden. Vermutlich ebenfalls im Zuge dieser Maßnahmen wurde ein großer Teil der Verdübelungen entfernt. Die Untersuchung der Wasser- und Lösungsmittelaufnahme der Steinoberflächen zeigt, dass viele Flächen aufgrund einer früheren, oberflächlichen Festigungsmaßnahme deutlich hydrophob sind. Die hydrophobe Wirkung des Festigungsmittels wurde oberflächlich abgebaut. Die Flächen sind somit zwar benetzbar, der Wassertransport der Werksteine ist aber insgesamt stark gestört, da sich unterhalb der Oberfläche noch eine hydrophobe Zone befindet. Partiell sandet die Steinsubstanz stark ab, hiervon sind besonders die feinkörnigen Sandsteine betroffen. Ein Großteil der Oberflächen zeigt starke Verwitterungserscheinungen, der Stein blättert auf, schuppt ab und zeigt Abplatzungen, Risse und Krustenbildung. Etliche Altergänzungen verschiedener Restaurierungsphasen bestehen aus zementhaltigen Mörteln, sie sind sehr viel härter, weniger elastisch und schlechter wasserdurchlässig als die Steinsubstanz. Bei lang anhaltend trockenem Wetter erscheinen in vielen Bereichen Salzausblühungen, wobei Natriumsulfat analysiert wurde.

Detail, Vorzustand Detail, Zustand nach Hinterfüllen Detail, Zustand nach Anböschung

Konservierung/Restaurierung:
Extrem sandende Bereiche wurden vor Beginn der Reinigung vorgefestigt. An losen und hohl liegenden Schalen erfolgte eine Sicherung durch punktuelle Klebungen mit Epoxydharz. Hauptsächlich an für den Abbau vorgesehenen Werksteinen wurden durch tiefgehende Risse abbruchgefährdete Teile vernadelt. Die Reinigung beinhaltete die Entfernung von mikrobiellem Bewuchs und Verschmutzungen. Ein Entfernen schadhafter Altergänzungen war notwendig. Alle frei stehenden Baluster mit den zugehörigen Abdeckungen sowie die Treppenstufen wurden abgebaut. Die Postamente und Untergurte blieben stehen und wurden in situ restauriert. Salzreduzierungsmaßnahmen erfolgten anhand von Entsalzungskompressen. Alte Verdübelungen aus nicht rostfreiem Material wurden durch Ausbohren vorsichtig entfernt und durch rostfreie V2A- Dübel ersetzt. Risse und hohl liegende Schalen wurden hinterfüllt, scharf aufstehende Kanten und Risse mit einem feinkörnigen Mörtel geschlossen. Zur Anpassung der Anböschungen an die verschiedenen Gesteinsvarietäten und die unterschiedlich patinierten Oberflächen wurden acht Anböschmassen mit unterschiedlicher Pigmentierung und verschiedenen Korngrößen des Zuschlags hergestellt. Nach dem Wiederaufbau erfolgten Steinergänzungen dort, wo sie für die Herstellung eines geschlossenen Erscheinungsbildes, für eine funktionierende Regenwasserableitung oder aus statischen Gründen notwendig sind.


Gebrochener Baluster, Vorzustand Zustand nach Klebung und Anböschung Endzustand