Naturstein

Goslar-Grauhof,Stiftskirche St. Georg, Seitenaltäre und Epitaph
Konservierung/Restaurierung 2011

Material: Marmor, Alabaster, Kalkstein mit Fassung
Datierung: 1718 (inschriftlich) - ca. 1731

Verkündigungs- und Kreuzaltar
Antoniusaltar
Epitaph Goeken

Die bearbeiteten vier Altäre, die sich in der Stiftskirche in den Seitenkapellen befinden, wurden zwischen 1718 und ca. 1730 von Franz Lorenz Biggen und seiner Werkstatt geschaffen. Östlich finden sich der Verkündigungsaltar und der Kreuzaltar. Westlich stehen der Antoniusaltar und der Barbaraaltar. Barbara- und Antoniusaltar umgibt jeweils eine an die Wand gemalte Baldachinarchitektur. In der südöstlichen Seitennische befindet sich neben dem Kreuzaltar das Epitaph des Probstes Bernhard Goeken aus dem Jahre 1731. Alle Altäre sind aus Marmor oder Kalkstein und Alabaster gefertigt. Über einem Sockel erhebt sich ein zweigeschossiger Aufbau mit vielfältigem plastischem figürlichen und ornamentalen Schmuck. Raumgreifende Figuren und stark bewegte Gewänder mit aufwändiger Draperie finden sich an allen Altären und dem Epitaph. Eine virtuose Bearbeitung der Oberflächen, vor allem bei den Gewändern zeugt von großer Kunstfertigkeit. Auch die Reliefs weisen eine detaillierte Bearbeitung auf. Mit einer feinen Abstufung von Rilievo schiacciato bis hin zu Flach- und Hochrelief mit weit in den Raum hineinreichenden Figuren erreichen sie ein Maximum an Plastizität. Als typische barocke Elemente sind auch die Muschelformen, Blumen- und Ornamentgirlanden und Bandelwerk, die Biggen in vielfacher Form einsetzte zu nennen. An Verkündigungs- und Kreuzaltar sind die Antependien aus rosafarbenem Marmor mit dreifacher Kassettierung gefertigt. Die Altarmensa besteht aus Sandstein. Die Säulen, die Einfassung des Mittelreliefs, der Sprenggiebel, die seitlichen Voluten im oberen Geschoss und einige der Rücklagen sind aus grau-rotem Marmor gefertigt. Der Sockel sowie die übrigen Gesimse und Rücklagen bestehen aus Kalkstein mit marmorimitierender Fassung. Die plastische Dekoration besteht ausnahmslos aus Alabaster. An Barbara- und Antoniusaltar sind die Antependien ebenfalls aus rosafarbenem Marmor gefertigt. Die Altarmensa besteht aus Sandstein. Sockel und Retabel bestehen aus grau-rotem Marmor. Die dekorative und figürliche Plastik besteht aus Alabaster. Das Epitaph, obwohl einige Jahre später errichtet, weist die selben Materialien auf. Ein schlanker, sich nach oben verjüngender Aufbau stellt die Figur des Probstes Bernhard Goeken in Beterhaltung in den Mittelpunkt.

Erhaltungszustand
Der Marmor, ursprünglich poliert, weist sehr unterschiedliche Oberflächen auf. Zum Teil erscheint er stumpf und ausgelaugt, teilweise vergraut, in anderen Bereichen wieder speckig glänzend, dies meist verbunden mit einer pinselstrichartigen Oberflächenstruktur, die besonders im Streiflicht gut erkennbar ist. Diese Oberflächenveränderungen sind vermutlich auf historische Restaurierungsmaßnahmen (Fluatieren, Absäuern o.ä.) zurückzuführen. Auf den Oberflächen liegen Reste von wachshaltigen Substanzen, die vermutlich von früheren Polituren stammen. Allgemein ist die Oberfläche leicht verschmutzt, die waagerechten Bauteile der Gesimse und Giebel sind auf den Oberseiten stark verschmutzt, verrußt und verstaubt. Einige Ausbrüche und Kantenabbrüche sind zu verzeichnen. Sie betreffen hauptsächlich kleinere Bereiche, die optisch kaum störend wirken. Die Marmorbauteile sind verfugt, ursprünglich mit einem hellen, feinkörnigen Kalkmörtel. Die Fugen wurden historisch mehrfach repariert, es finden sich unterschiedliche Fugenmassen aus meist mineralischen Mörteln. An mehreren Stellen sind Fugenmassen ausgebrochen oder liegen lose auf. Es sind wenige Risse zu verzeichnen, die keine statische Problemstellung mit sich bringen.
Die Alabasterwerkstücke sind weitgehend aus großen Blöcken gefertigt. In den Reliefs und vollplastisch ausgearbeiteten Figuren zeigen sich oft nur kleine angesetzte Stücke, dies betrifft hauptsächlich Arme, Armteile oder Fingerglieder. Bei einigen Werkstücken, so beispielsweise bei den Kapitellen, ist die ursprüngliche Konstruktion noch sichtbar. An der Oberseite finden sich Zirkelschläge und Ritzungen, die die Grundform bestimmen. Die Oberflächenbearbeitung erfolgte mechanisch, z. T. sind Spuren von Holzschnitzwerkzeugen und Schleifspuren erkennbar. Die einzelnen Werkstücke sind ursprünglich durch Holzdübel, nur bei schweren Teilen mit Metallankern, verbunden und mit Gips fixiert. Der Alabaster ist größtenteils durch Staub, Ruß, Spinnweben etc stark verschmutzt. Die Alabasteroberfläche war ursprünglich fein poliert und glänzend, was heute nur noch in kleinen Bereichen erkennbar ist. Weitestgehend zeigt das Material eine stumpfe Oberfläche mit zahlreichen Kratz- und/oder Schleifspuren. Dieser Zustand resultiert vermutlich aus verschiedenen Reinigungsmaßnahmen mit ungeeigneten Materialien und Methoden. Alle Altäre weisen einige fehlende Teile auf, es handelt sich besonders um einzelne Fingerglieder, die verdübelt waren und einzelne Ornamentteile, die sich vom Werkstein gelöst haben. Auch Abbrüche durch mechanische Beanspruchung liegen vor, dies besonders bei fragilen Werkteilen wie z. B. den Fingergliedern. Daneben finden sich viele lockere Werkteile in Bereichen, wo sich die Gipsfixierungen und Holzdübel gelöst haben.

Verkündigungsaltar, verlorene Fingerglieder Kreuzaltar, Pinselspuren und Verfärbung im Marmor Barbaraaltar, rezente Fugenmassen

Bei den historischen Restaurierungen wurden die Holzdübel teilweise gegen Metalldübel ausgetauscht, wodurch es zu Korrosionserscheinungen kam. Hierzu zählen Verfärbungen, Rostsprengung und Abplatzungen. Daneben liegen historische Ergänzungen vor. Kittungen erfolgten mit Gips, wenige fehlende Teile wurden in Holz nachgeschnitzt. Auf dem Alabaster finden sich diverse Verfärbungen und Farbreste. An mehreren Stellen sind Fugenmassen ausgebrochen oder liegen lose auf. Vor allem in den Reliefs sind Risse zu verzeichnen, die aber keinerlei statische Problemstellung bergen.
Die gefassten Steinbereiche sind aus einem hellen bräunlich-grauen, feinen Kalkstein gearbeitet, der oberflächig poliert ist. Der Kalkstein weist außer kleinen Ausbrüchen und Bereichen mit Schalenbildung keine Schäden auf. Auf dem Stein liegen zwei Fassungen, die beide auf den bereits fertiggestellten Altar aufgetragen wurden, denn sie sparen die Alabasterornamente und -figuren aus. Bei der ersten Fassung handelt es sich um eine dünnschichtige Marmorierung in Schwarz mit wenigen weißen Adern. Die Fassung scheint einige Zeit offen gestanden zu haben, auch unter der zweiten Fassung zeigt sie eine bräunliche Patina. Die zweite Fassung ist zweischichtig aufgebaut: Auf einer hellgrauen Grundierung liegt eine Marmorimitationsmalerei in Rosa-Blau und Weiß-Grau, die sich am Marmor der Altäre orientiert und diese sehr genau imitiert. Sie ist recht pastos aufgetragen, zeigt aber nur wenig Krakelee. Größere Fehlstellen sind selten, häufiger zeigen sich Abplatzungen und aufstehende Farbschollen. Die Fassung trägt vermutlich mehrere Firnisaufträge, besonders in den unteren Bereichen wirkt sie dickschichtig und speckig. Fassung und Firnisse sind stark verbräunt und verschmutzt, in Teilbereichen so sehr, dass die ursprüngliche Farbigkeit nicht mehr erkennbar ist.

Konservierung/Restaurierung:
Neben der dringend notwendigen Reinigung aller Bauteile erfolgten Maßnahmen zur Erhaltung und zum Schutz der Oberflächen. Historische und jüngere Ergänzungen wurden beibehalten. Intakte Fugenmörtel und Klebungen, auch solche auf Basis von zementhaltigen und optisch unpassenden, kunstharzgebundenen Massen, wurden ebenfalls belassen. Alle Oberflächen wurden zunächst trocken vorgereinigt. Die Marmorflächen wurden dann feucht gereinigt, starke Verschmutzungen und aufliegende Wachsreste reduziert.
Der Alabaster wurde mittels Mikrodampfstrahl gereinigt, wobei zu hohe Temperaturen an der Oberfläche und größere Wassereindringung vermieden wurden. Überschüssiges Wasser wurde sofort mit saugfähigen Schwämmen aufgenommen.
Optisch störende Klebereste und starke Verunreinigungen auf den Oberflächen wurde mittels Lösemittel reduziert oder entfernt. Lose Alabasterteile, die sich noch in situ befanden, wurden abgenommen. Vorhandene Metalldübel wurden entfernt und die Teile refixiert. Wenn möglich, wurden die bestehenden Holzdübel wieder verwendet und die Flanken entsprechend der Bestandswerktechnik mit Gips fixiert. Wo die Holzdübel nicht mehr vorhanden waren, erfolgte die Refxierung mit Glasfaserstäben und Acrylharzdispersion. Gebrochene Fragmente wurden geklebt.

Hl. Agathe, nach Abnahme loser Teile nach Refixierung Arm nach Refixierung Finger

Säulen wurden auf Stabilität geprüft und ggf. vor dem Verfugen durch Einsetzen von Bleiplättchen festgesetzt. Lose Fugenmörtel wurden entfernt, die Fugen gereinigt und neu verfugt.
Abschließend wurden alle Marmorwerkstücke mit einer Politur versehen. Diese Maßnahme erreichte eine Wiedergewinnung des ursprünglichen Oberflächenglanzes der Marmorflächen und verlieh den stark vergrauten und ausgelaugt wirkenden Bereichen wieder eine Tiefenwirkung.
Der Alabaster wurde mit einer eigens hergestellten Alabasterseife behandelt. Diese schließt die offenen Poren des Alabasters und schützt somit vor Eindringen von Feuchtigkeit und Schmutz. Zudem wird ein leichter Glanz der spröden und aufgerauten Oberflächen wiedergewonnen.

Putto, Vorzustand Putto, Marmorpolitur und Alabasterseife Kreuzaltar, Sockel vor Firnisabnahme Kreuzaltar, Sockel nach neuem Firnisauftrag

Die Fassung der Kalksteinbereiche von Verkündigungs- und Kreuzaltar sollte erhalten bleiben. Zur Verbesserung der optischen Wirkung war es notwendig, die stark verbräunten Firnisschichten zu entfernen. Zum Schutz der Fassung und zur Wiedergewinnung eines leichten Oberflächenglanzes erhielten die Flächen abschließend einen neuen Firnisauftrag.

Verkündigungsaltar, Endzustand Antoniusaltar, Endzustand Epitaph Goeken, Endzustand